Endlich erwachsen

Kaum zu fassen, aber in letzter Zeit muss ich – oder darf ich – bei mir feststellen, dass sämtliche Suchtfaktoren bzgl. meines Gamer-Verhaltens zunehmend schwächer werden. Worauf das im Detail zurückzuführen ist, kann ich noch nicht sagen, aber ich habe das Gefühl, dass es mir gut tut. Zumindest kommt meine kreative Ader wieder besser zum Vorschein.

Aus irgendeinem Grund habe ich in den letzten Wochen vermehrt zur Gitarre gegriffen. Und im Gegensatz zu sonstigen Abenden, an denen das in den letzten Jahren vorkam, hatte ich echt wieder den Drang verspürt, selbst zu schreiben. Es fing ganz harmlos damit an, dass ich einen alten Song ausgegraben habe, den ichdamals mit meinen Kumples bei Neslon, Edge & Bonsai zum Ende unserer Zusammenarbeit aufgenommen hatte. 4 am. Von allen guten Geistern verlassen setze ich mich vor die Webcam, die ich vorher noch nie benutzt habe … nehm den Song auf und lad ihn bei YouTube hoch. WTF?

Nun ja die Reaktionen bei Facebook waren durchweg positiv, aber was soll man da auch erwarten. Zuspruch aus den eigenen Reihen rangiert bei mir in etwa auf der Reputation, die DSDS-Kandidaten mit zum Casting bringen. ABer ich freu mich natürlich trotzdem, wenn man sich den Song anhören kann … nicht weil ich den Song evtl. nicht gut finden würde, sondern, weil ich letztendlich doch etwas eingerostet bin.

Weiter gings dann ein paar Tage später, als ich anfing einem alten Song einen neuen Text zu verpassen. Das Original hieß “Ties in the desert” und war den armen Jungs gewidmet, die an den italie´nischen Badestränden von Strandkorb zu Strandkorb tingeln um unützes Zeug an Touristen zu verkaufen. “Cheap cheap” zwitschern sie und veruschen die entnervten Eltern quengelnder Kids um ein paar Euronen für dies oder jenes zu erleichtern, was der/die Kleine unebdingt haben will. Daraus wurde dann “Something to deliver” und dreht sich um meine derzeitige schöpferische Situtaion. Ich spüre wieder den Drang zu schreiben, zu spielen, auf Bühnen zu stehen und den Kick zu spüren, den man nicht in Worte fassen kann.

Mal sehen, was daraus wird. Also nicht aus dem Song, sondern aus dem Gefühl, das mich derzeit davon abhätl zu viel Zeit vor dem Rechner zu verbringen, zumindest zockender Weise. Ich sollte jedenfalls mal öfter Zettel und Stift zur Hand haben, denn die besten Ideen für Texte kommen einem immer noch in der U-Bahn oder in sonstigen Situationen, in denen man nicht damit rechnet. Und dann gilt es, den Gedanken festzuhalten, bevor er einem wieder entgleitet. Oder bevor die Server wieder hochfahren.

Aber insgesamt kann ich nur lächeln, wenn ich am Wochenende die entnervten Leute im Champons-Forum lese, dass es ne Sauerei wäre, wenn die Server abschmieren. Schließlich hat man dafür doch bezahlt. Wenn ich daran denke, dass ich mich vor nicht allzulanger Zeit wohl fast genauso echauffiert hätte. Schaurig. Aber so langsam bin ich wohl aus dem Alter raus und drifte langsam in die philosophische Phase meines Lebens.

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