Gleichgewicht

Adrenalin ist ein starker Treibstoff. Zu stark zum Teil. Ich kann die Kettenreaktion, die bei der Ausschüttung in Gang gesetzt wird, kaum kontrollieren und ich weiß nicht, woher das rührt.Es gibt in meinem Leben immer wieder Situationen, wo ich innerhalb von Sekunden aus einer Bierruhe heraus an die Decke gehe. Was staut sich in mir an, das ich nicht langsam und gelassen ableiten kann?

Zumindest beschränkt sich das Situationen, die ich so taxieren kann, dass jeweils mein innerster Sinn für Gerechtigkeit berührt wurde. Fühle ich mich hilflos einer gewissen Ungerechtigkeit ausgesetzt, scheint das die urinnersten animalischen Schutzinstinkte auszulösen und ich schlage (verbal) um mich, dass alles und jeder in Deckung geht. Im Nachinein bin ich zumeist über mich selbst sehr erschrocken und egal wie oft ich mir vornehme, mich über diese Dinge nicht mehr oder zumindest nicht mehr so arg aufzuregen … es bricht immer wieder durch.

Brauche ich das? Sind die Situationen immer die gleichen? Suche ich nur nach einer billigen Erklärung? Nehme ich das alles viel zu ernst?
Im Grunde denke ich, dass ich ein sehr gelassener Mensch bin. Ab und an sogar etwas zu gelassen und phlegmatisch veranlagt. Und doch bricht in besagten Situationen eine derart überschüssige Energie zutage, dass ich mich echt ein wenig fragen muss, ob ich in genau den Sekunden noch alle Tassen im Schrank habe.

Schon in meiner Jugend war ich dafür bekannt, dass ich in Wettkampfsituationen relativ leicht aus der Haut gefahren bin. Keine Ahnung, wie oft ich meinen Tennisschläger in die Ecke geknallt habe, weil einfach nichts gelingen wollte. Aber ich war nicht imstande zu erkennen, dass ich einfach mehr Zeit hätte investieren müssen, hätte ich besser werden wollen. Ich glaube das ist der Punkt.

Ich weiß bei vielen Dingen, wie man sie anpacken müsste, aber ich packe sie nicht an. Das in Einklang bringen von Theorie und Praxis ist wohl der Dreh- und Angelpunkt meiner Misere … Ich weiß, wie ich eine Rückhand schlagen muss, aber ich war nie bereit, soviel Zeit ins Training zu investieren, dass mir die Technik in Fleisch und Blut übergeht. Ich weiß haargenau, wo die Probleme am Arbeitsplatz liegen, aber es ist bequemer die Missstände zu beklagen und mit dem Finger auf die Leute zu deuten, anstatt sie mit der Nase draufzustoßen. Und es ist einfacher, in einem MMO einen Fehler, einen Bug oder gar einen Cheat zu vermuten, anstatt einzusehen, dass andere einfach besser sind, oder schlicht mehr Zeit investieren und dadurch besser im Saft stehen.

Ich denke ich habe gerade meinen Vorsatz für das neue Jahr gefunden. In den letzten beiden Jahren hatte dieser jeweils einen ernährungstechnischen Hintergrund, was sicherlich nicht geschadet hat. Aber wenn ich mich weiterentwickeln möchte, bedarf es einer viel größeren Herausforderung. Mein Vorsatz lautet für 2010: Ich bringe mich ins Gleichgewicht.

Wow. Das klingt echt tiefschürfend. Ich glaube ich habe ncoh nicht umrissen, was das eigentlich bedeutet und wieviele Punkte ich in meinem Leben anpacken muss, um das zu bewerkstelligen. Doch ich bin mir sicher, wenn ich das ernsthaft angehe, könnte ich mein Leben einen riesen Sprung in die richtige Richtung vorantreiben. Nicht dass ich mit meinem Leben unzufrieden wäre. Es ist nicht alles toll – bei wem ist das schon so? Aber es gibt schon einige Defizite, die es zu beheben gibt.

Packen wirs an! Wir? Ich meine natürlich: Ich packe es an! Den Rest des verbleibenden Jahres werde ich damit verbringen, einen Plan für mich aufzustellen. Und nebenher gibts noch einen ernährungstechnischen

Vorsatz für 2010: Jeden Tag 1 Apfel, 1 Banane, 1 Orange.

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